Eiszeit
Wer am Sonntag in Brandenburg oder Sachsen bereits in der Frühe das
Haus verlassen musste, hatte sich bei -5 bis -8 Grad hoffentlich
passend angezogen, denn die Kaltluft aus Russland war bereits langsam
in die östlichen Bereiche vorgedrungen. Im Westen lagen die
Tiefstwerte nämlich noch meist zwischen +1 und -2 Grad. Die Nacht
darauf war dann überall frostig, erste Orte im Osten registrierten
Temperaturen unter -10 Grad. Auch tagsüber blieben am Montag die
Temperaturen im Frostbereich, nur in Teilen Bayerns und Sachsens und
in Rheinnähe wurden leichte Plusgrade gemessen.
Dass sich die Kälte im Osten unseres Landes trotz Sonnenschein
regelrecht eisig anfühlte, hatte mehrere Gründe. Sie war bereits
recht trocken - am Nachmittag lag die relative Luftfeuchte bei etwa
45%. Spürbarer Wind, der mit etwa 5 Windstärken aus Westen blies,
sorgte dafür, dass sich Mittagstemperaturen von etwa -5 Grad
anfühlten wie -10 Grad (s. dazu auch im Wetterlexikon des DWD:
"Gefühlte Temperatur")!
In der vergangen Nacht zum Dienstag legte der Frost "noch eine
Schippe drauf": im äußersten Westen war es mit -1 bis -5 Grad
vergleichsweise "mild", denn im übrigen Deutschland war es mit -6 bis
-12, örtlich sogar -16 Grad deutlich kälter. Da kann man sich bereits
vorstellen, wie sich die Temperaturen tagsüber entwickeln.
Wer nun abschätzen will, wie kalt die nächsten Tage bei uns werden,
sollte einen Blick auf Polen und den Westen Russlands werfen. Dort
war es am Montag zwischen -4 und -10 Grad kalt - tagsüber!
Zu verdanken haben wir diese Kaltluft einem Hochdruckgebiet über
Nordrussland und Sibirien, das eigentlich im Winter nicht
ungewöhnlich ist - wir bezeichnen das als Russisches Kältehoch.
Ungewöhnlich sind jedoch die Stärke (über 1065 hPa) und auch die
Ausdehnung, zumal sich das Hoch nach Westen hin bis zu uns und nach
Süden hin bis nach Griechenland erstreckt.
Somit können wir auch in den nächsten Tagen weiterhin mit einer
östlichen Luftströmung rechnen und damit für weitere Kaltluftzufuhr,
denn solche Hochdruckgebiete gelten als äußerst stabil.
Es bleibt allerdings nicht durchweg sonnig, wie man vermuten möchte,
wenn man das Wort "Hochdruckgebiet" vernimmt. Vielmehr sorgen
kleinere Tiefdruckgebiete, die sich in höheren Luftschichten
abbilden, dann und wann für -meist leichte- Schneefälle.
Der Winter hat uns fest im Griff!
Dipl.-Met. Dorothea Paetzold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.01.2012
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